Frage an Professor Äquinox: Gibt es am Schiff eine Bremse? Frage an Professor Äquinox: Gibt es am Schiff eine Bremse?

Frage an Professor Äquinox: Gibt es am Schiff eine Bremse?

Dennis, 10 Jahre alt, hat am Dortmunder Hafen Schiffe beobachtet und fragt sich jetzt, ob sie eine Bremse haben. Professor Äquinox antwortet: "Schiffe fahren immer langsam in den Hafen. Das ist nett, oder? So kann man sie gut beobachten...

Aber Seeleute auf Frachtern haben es oft eilig und würden lieber schneller fahren, denn sie müssen Waren und Rohstoffe liefern – Bananen, Handys, Zucker, Fleisch, Ringelsocken, was man halt so braucht. Doch schneller fahren geht nicht: Schiffe haben keine Bremse, und wer schnell in den Hafen fährt, würde gegen den Steg donnern.

Ich wollte jahrelang eine Schiffsbremse erfinden und habe in meinem Labor getüftelt, aber mir ist nichts eingefallen, denn ein Schiff ist wirklich denkbar widerspenstig, wenn es darum geht, dass man es bremsen möchte. Wenn ein Auto bremst, blockieren die Räder und reiben über den Asphalt. Das Auto wird langsamer, weil das Reiben Energie kostet.

Der Beweis: Wenn Du Deine Hände reibst, werden sie erstens warm, denn Wärme ist eine Form von Energie, und zweitens wirst Du nach ein paar Minuten müde, also kostet Reiben ganz offenbar Energie. Doch woran soll ein Schiff reiben? Es gleitet durch Wasser, das wenig Halt bietet. Das ist zwar ganz gut so, denn Wasser mit starker Reibung wäre auch unpraktisch, dann käme ein Schiff ja kaum voran, aber der Nachteil ist, dass man einfach nicht bremsen kann. Und den Anker am Boden schleifen zu lassen, ist eine ziemlich unzuverlässige Bremse, zerstört den Meeresboden und klappt ohnehin nur im Hafen – das Meer ist viel zu tief.

Vor 300 Jahren hat der berühmte Physiker Isaac Newton überlegt: Wenn es keine Reibungskraft gibt, dann bleibt die Geschwindigkeit, wie sie ist. Das heißt: Ein Mal Gas geben, unendlich weit fahren, toll, oder? Das klappt aber nicht, weil Wasser zwar wenig Reibungsmöglichkeit bietet, aber immerhin doch ein kleines bisschen reibt und bremst, irgendwann halten Schiffe schon an. Aber die Reibung im Wasser ist so klein, dass Schiffe zum Anhalten nur eine Möglichkeit haben: Volldampf rückwärts fahren. Ein großer Tanker, der von „Volldampf voraus“ auf „Volldampf rückwärts“ schaltet, braucht dann immer noch ganze fünf Kilometer, um stehen zu bleiben – aber besser als gar nicht!

Eine Bremse wie im Auto ist bei Schiffen physikalisch leider unmöglich, aber ich tröste mich: Das ist schön für Hafenbesucher".